Märchen

Fliegen ist lila (für Kinder)

Träumauge

Logo StickerDas Mondmärchen

Lesebeispiel

AQuarell Brücke

Es war einmal ein Prinz, der war edel, schön und stark. Er liebte den Wald. Dort konnte er tagelang umherstreifen, gute Waldluft atmen und Bäume, Pflanzen und Tiere beobachten. Sein treues Pferd war immer bei ihm. Wenn sie nicht unbeschwert umherritten, rasteten sie auf einer Lichtung - das frische Gras war dem einen weiche Unterlage, dem anderen willkommene Mahlzeit.
  Eines Nachts hatten sie sich unter einer Tanne ein Lager bereitet. Der Mond schien hell und silbern, und unser Prinz konnte lange nicht einschlafen.
Er schaute immerzu in den Himmel hinauf, vermochte nicht den Blick von der großen leuchtenden Scheibe abzuwenden. Er schaute und schaute ...
  Auf einmal hörte er ganz fein und klar eine leise Melodie, die wie ein Windhauch aus der Ferne herüberwehte. Sie drang an sein Ohr und in sein Herz und erfüllte ihn mit solch einer unbeschreiblichen Sehnsucht, dass er aufspringen musste, um wie verzaubert in die Richtung zu gehen, aus der sie erklang. Sein Pferd ließ er zurück.
  Er war lange unterwegs, er hätte nicht sagen können wie lange. Das seltsame war, dass die Nacht nicht aufzuhören schien. Doch der Mond leuchtete hell, und er kam gut voran.
Endlich gelangte er an einen See. Dieser war so groß, dass man das andere Ufer nicht sehen konnte. Der Prinz atmete auf und fühlte, dass er angekommen war, fühlte wie der See vibrierte, erfüllt von einer wunderschönen Melodie, die wie aus seinem tiefsten Inneren nach außen zu dringen schien. Er lachte und sprang mitten hinein, sank tiefer und tiefer, bis er zur Quelle der Musik gelangte. Eine Nixe schwebte im Wasser und sang. Ein Chor von unzähligen kleinen silbernen Fischchen begleitete sie:

Im ewigen See klingen Wellen so weit,
Wer mit ihnen tönt, ist gebenedeit.
Der Traum der Menschen findet sein Los,
Und Freude und Schicksal im Wandel sind groß.

Komm zu uns, oh Prinz, werde weich,
Dein Herz ist edel und rein und so reich.
Wir brauchen dich in der Hoffnung auf Licht!
Im Mondschein erblickst du dein wahres Gesicht.

  Die Nixe lächelte, als sie den Prinzen sah, und sagte: „Gut, dass du kommst, Prinz! Würdest du meinen Chor dirigieren?“ Der Prinz war überrascht. Fische! Er schaute die Nixe mit großen Augen an und brachte kein Wort über die Lippen. Sie lachte ein Lachen, das so silbern klang wie die Melodie im See. „Hier, nimm diesen Stab. Es ist ganz leicht!“ Sie reichte ihm einen glitzernden Dirigierstab. Und tatsächlich, als er ihn bewegte, begannen die Fische wieder, so wunderschön harmonisch zu singen, als wäre alles richtig und vollkommen.
  Der Prinz dirigierte und dirigierte und bemerkte gar nicht, wie sich die Nixe langsam von ihm entfernte. Sie tat dies schweren Herzens, wollte noch ein paar Mal umkehren, besann sich aber eines Besseren und erreichte schließlich das Seeufer. Sie tauchte auf, sah den dunklen, ruhigen Wald und den Mond und seufzte. Da verwandelte sich ihr Fischschwanz in zarte, helle Beine, und sie stieg aus dem Wasser ...